Rostock wächst – wie genau?

Die Verwaltungsspitzen und andere „Influencer“ der öffentlichen Meinung lassen seit längerer Zeit keine Gelegenheit aus, immer und immer wieder den Slogan „Rostock wächst“ in die Hirne der Bevölkerung und der politischen Entscheidungsträger zu hämmern.

Letztlich soll die stadteigene Bevölkerungsprognose, die durch die „Festlegung des Oberbürgermeisters zur verbindlichen Planungsgrundlage“ gemacht wurde und die ein Anwachsen der Bevölkerung auf 219.323 Personen im Jahre 2025 und auf 230.945 Personen bis zum Jahr 2035 vorsieht, als Faktum etabliert werden. Demnach müsste, um das Nahziel „219.323 Personen im Jahre 2025“ zu erreichen, ab dem 01.01.2018 bis zum 31.12.2025 die Bevölkerung jedes Jahr um 1350 Personen anwachsen.

Die Realität sieht anders aus: der Bevölkerungszuwachs im Jahr 2018 betrug lediglich 569 Personen – und dieser Zuwachs ist ausschließlich durch den Zuzug von 730 Ausländern zustande gekommen (vermutlich überwiegend Arbeitsmigranten aus Polen, Rumänien und der Ukraine auf den zahlreichen Baustellen im Stadtgebiet). Damit resultiert im dritten Jahr in Folge der Bevölkerungszuwachs ausschließlich aus dem Zuzug von Ausländern – Tendenz deutlich abnehmend!

Das Nahziel für 2025 wäre jetzt nur noch zu erreichen, wenn in den nächsten sieben Jahren jedes Jahr knapp 1.500 Personen nach Rostock ziehen würden. Wenn man von der Entwicklung der letzten Jahre ausgeht, ist diese Zahl völlig unrealistisch! Eher ist zu erwarten, dass in absehbarer Zeit die Bevölkerungszahl wieder abnimmt.

Quelle: https://rathaus.rostock.de/Statistik/Stadtbereichskatalog/atlas.html

3 Gedanken zu „Rostock wächst – wie genau?“

  1. Gestern stand’s mal wieder in einer Pressemitteilung: https://rathaus.rostock.de/de/rathaus/aktuelles_medien/partner_im_buendnis_fuer_wohnen_unterzeichnen_vereinbarung/270830

    „Die Hanse- und Universitätsstadt wächst. Die 200.000er Marke hatte Rostock bereits im Jahr 2010 überschritten und dieser Aufwärtstrend wird sich fortsetzen. […] Besonderes Augenmerk wird auf den Neubau von Wohnungen gerichtet. Bis 2035 sollen 26.000 Wohnungen gebaut werden“

    Die Zahl 26.000 stammt aus der „Haushalts- und Wohnungsnachfrageprognose bis 2035 für die Hanse- und Universitätsstadt Rostock“ der Fa. empirica.

    Die Bürgerschaft hat sich am 16.05.2018 geweigert, diese „Prognose“ als verbindliche Planungsgrundlage zu beschließen. Sie betrachtete die Ausarbeitung lediglich als Informationsvorlage:
    https://ksd.rostock.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1015211

    Die Prognose findet man übrigens nur als Anlage „HH_Wohnungsnachfr_Prognose.pdf“ bei obiger Bürgerschaftsvorlage.

    Auf Seite 29 der „Prognose“ steht die oben genannte Zahl: „Absolut betrachtet steigt aber die Nachfrage nach Geschosswohnungen mit nahezu 20.000 Einheiten weitaus stärker als die Nachfrage nach Eigenheimen (+6.000).“
    In der Diskussion um die künftige Wohnungsnachfrage wird gerne verschwiegen, wie die Zahlen der Fa. empirica zustande gekommen sind. Das steht auf Seite 25 der „Prognose“:
    „Für den Wohnungsbedarf ist entscheidend, wie sich die Nachfrage zukünftig entwickelt. Die hier dargestellten Prognosen basieren auf der aktuellen Bevölkerungsprognose der Hanse- und Universitätsstadt Rostock mit dem Basisjahr 2015. Nach der stadteigenen Bevölkerungsprognose wächst Rostock bis 2035 auf rd. 230.950 Einwohner an.“

    … und diese Zahlen sind längst überholt!
    Das wissen natürlich auch die Akteure des „Bündnis für Wohnen“. Worum geht es dann aber bei diesem Bündnis? Wahrscheinlich nur um die Absenkung von Planungsstandards …

  2. Genau, es sind immer die bösen „Influencer“ oder andere von der Staatsmacht kontrollierten Subjekte!
    Was sagt denn bitte das reine Bevölkerungswachstum aus?
    Wenn es keinen Platz gibt, wo sollen die Leute hin, die für das Wachstum sorgen sollen?
    Viele Familien wandern doch z.B. ins Umland ab, die freien Wohnungen werden aber sofort aufgefüllt. Direkte Beispiele 2 im meiner Straße in dieser Woche. Es ist so schwierig, vernünftige Wohnungen zu bekommen. Einfach mal auf den gängigen Portalen gucken. Oder sich bei einer Wohnungsbesichtigung einreihen.
    Damit die Stadt wachsen kann, muss zuerst mal Wohnraum (ja, auch bezahlbare! Grundstücke und ja, vielleicht auch in Biestow) geschaffen werden. Ob dann in die Höhe oder Breite gebaut wird, ist dabei erstmal zweitrangig.
    Nur auf das Wachstum zu schauen ist eben nicht die ganze Wahrheit und sollte auch so benannt werden.
    Und auch, wenn Ihr es eh nicht glaubt, ich werde nicht dafür bezahlt, für bezahlbares Wohnen in Rostock zu sein.
    Kein „Influencer“, der trotzdem gespannt ist, ob ihr soviel Demokratie aushaltet. 😉

    1. Hallo Tara,
      vielen Dank für Ihren Kommentar zum Artikel städtische Bevölkerungsprognose. Leider äußern Sie sich nicht zum Thema und kennen auch nicht LiB, insbesondere deren Ziele. Da sind unzählige Menschen, die ehrenamtlich im Verein tätig sind und für das Gemeinwohl eintreten. Allerdings aus Ihren Zeilen lese ich nur persönlichen Frust, den Sie in Form eines Stellvertreterkrieges anzetteln?
      Ich kann Ihnen persönlich nur raten, sich mit ihren Problemen an die richtigen Adressaten zu wenden. Dazu zwei aktuelle Beispiele: Unrechtmäßig werden rd. 1.000 Wohnungen dem Wohnungsmarkt in Warnemünde durch Ferienvermietung seit Jahren entzogen. Die Rostocker Bürgerschaft hat dazu bereits vor Jahren die Zurücknahme beschlossen! Und dann schauen Sie gern bei Airbnb nach. Dort finden sie eine ähnliche Situation vor. Hunderte Wohnungen werden in Rostock potentiellen Mietern durch Ferienobjekte dem Markt entzogen. Rechtmäßigkeit muss hier das Bauordnungsamt schaffen. Das ist ein richtiger Adressat für Ihr Problem!
      Sollte Sie das Thema Bevölkerungsentwicklung ggf. doch interessieren, dann sind wir gern Ansprechpartner.
      Freundliche Grüße Jane (Vereinsmitglied LiB e. V.)

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